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Eine Erfolgsgeschichte

Nordbahn gGmbH feiert 20-jähriges Bestehen

Von Jürgen Liebezeit

SCHÖNFLIESSDer Mensch mit seinen Kompetenzen steht im Mittelpunkt der Arbeit der Schönfließer Werkstatt für behinderte Menschen. Am Freitag wird das 20-jährige Bestehen der Nordbahn gGmbH mit einem Festempfang gefeiert.

Günter Baaske, Minister für Arbeit, Soziales, Frauen und Familie des Landes Brandenburg

„Es ist stressiger geworden“, meint Mario Klante. Der Oranienburger ist seit 20 Jahren in der Werkstatt für behinderte Menschen beschäftigt. Der 37-Jährige arbeitet in der Näherei und ist dort trotzdem sehr zufrieden. „Ich kann hier selbstständig arbeiten“, sagt der junge Mann, der an der Nähmaschine Ärmel kürzt, aber auch Sakkos mit Futter auskleiden kann. Kersten Haustein, Gruppenleiter in der Industriemontage, kann sich noch an die Aufbaujahre nach der Wende erinnern. Als die Werkstätten auf dem Gelände der Bereitschaftpolizei eingerichtet wurden, dachte noch niemand an die modern eingerichteten Arbeitsräume von heute. „Zuerst hat sich die Arbeit in den provisorischen Werkstätten auch nicht gerechnet“, so Haustein. Begonnen hat es damals mit einer Keramikabteilung, einer Fahrrad- und einer Holzwerkstatt. Inzwischen ist die Produktpalette der Schönfließer Werkstätten beachtlich gewachsen. Es werden nicht nur Dienstleistungen für die Autoindustrie erbracht, sondern auch hölzerne Sitzbänke für die Gärten in Oberhavel produziert. Die Mitarbeiter reinigen Pferdedecken, reparieren in der Schneiderei Arbeitskleidung oder pflegen Grünanlagen mit großer Hingabe. In Schönfließ werden sogar Maschinen entwickelt, die speziell auf die Bedürfnisse der behinderten Mitarbeiter abgestimmt sind. Doch nicht der fehlerfreien und pünktlichen Produktion gilt das Hauptaugenmerk, im Mittelpunkt der Beschäftigung steht die persönliche Entwicklung und die berufliche Fortbildung der behinderten Menschen, die so am Arbeitsleben teilhaben. Gerade deshalb hat die gemeinnützige Gesellschaft in den vergangenen 20 Jahren den Wandel von den „geschützten Werkstätten“ zu einem rentablen Unternehmen und großem Arbeitgeber geschafft. Diese Leistung wird am Freitag mit mehr als 700 geladenen Gästen, darunter auch Landessozialminister Günter Baaske (SPD), gefeiert.


INTERVIEW - Vier Fragen an:

Die Geschäftsführerin Nicola Pantelias

Nicola Pantelias, Geschäftsführerin

Frau Pantelias, seit wann sind Sie Geschäftsführerin der Nordbahn gGmbH?
Pantelias: Ich bin seit 1. November 2010 in Schönfließ.

Was macht Ihnen an Ihrem Job am meisten Spaß?
Pantelias: Es macht Spaß zu sehen, wie die Menschen miteinander arbeiten und alles sehr professionell läuft, ohne dass ich eingreifen muss. Die Betriebsleiter führen ihre Abteilungen wie kleine Betriebe,
in der jeder sehr engagiert mitarbeitet. Spaß macht es aber auch, neue Projekte zu entwickeln.

Woran arbeiten Sie denn zurzeit?
Pantelias: Wir bauen gerade eine Integrationsfirma auf, in der die Hälfte der Mitarbeiter behindert ist und die andere Hälfte nicht behindert. Das Unternehmen soll in der Industriedienstleitungsbranche tätig werden, so zum Beispiel in der Qualitätsprüfung oder in der Montage. Zurzeit sondieren wir die Auftragslage. In den Schönfließer Werkstätten herrscht ein angenehmes und kollegiales Betriebsklima.

Woran liegt das?
Pantelias: Die Angestellten und die Mitarbeiter sind stets füreinander da – und alle geben ihr Bestes. Wir identifizieren uns alle mit den anstehenden Aufgaben und der Gesellschaft. Eigentlich sind wir ein Paradebeispiel für das moderne Wort ,Inklusion’. Manchmal weiß ich gar nicht, wer bei uns behindert ist und wer nicht.


Aktuelles

  • Die Erfinder-Werkstatt

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    Zwei Azubis haben ihre Ausbildung als Industriemechaniker bei der Nordbahn gGmbH gerade abgeschlossen. Eine junge Frau stieg zum Monatsbeginn in die Ausbildung ein. Sie gehören zum siebenköpfigen Erfinderteam der Werkstatt.

  • Nordbahn gGmbH auf der Kunststoffmesse Fakuma

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    Die Nordbahn gGmbH (Bereich Industriemontage) wird vom 13.10. bis 17.10.2015 zum zweiten Mal auf der Kunststoffmesse Fakuma in Friedrichshafen ausstellen.

  • Nordbahn mit neuem Standbein

    Nordbahn mit neuem Standbein

    Die gemeinnützige Nordbahn Gesellschaft aus Schönfließ hat eine neue Berliner Betriebsstätte eröffnet. Die Werkstatt für behinderte Menschen erweitert auf diese Weise ihre Kapazität.