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Vom Industriekleber bis zu Heizelementen

Zulieferer aus Brandenburg kommen auf der Hannover Messe mit dem Wirtschaftsminister ins Gespräch

Von Joachim Göres
Hannover. Die Hannover Messe gilt als weltgrößte Industriemesse. Viel zu breites Angebot – so lautete die wachsende Kritik. Die Messe regiert mit einer Spezialisierung: Unter ihrem Dach präsentieren sich elf Leitmessen. Dazu gehört die Industrial Supply für Zulieferer. Hier präsentieren sich einige der 50 Aussteller aus Brandenburg.
Die Hosch Company aus Schwedt (Uckermark) will vom diesjährigen Messe-Schwerpunktland Russland profitieren. „Unser Geschäft mit Russland läuft schon sehr gut und das wollen wir hier angesichts der vielen Besucher und russischen Messestände noch ausbauen“, sagt Holger Schote. Er ist einer von fünf selbstständigen Hosch-Vertretern, die Industrieklebstoffe vertreiben. Die Kleber kommen etwa bei Automobilzulieferern und in Dentallaboren zum Einsatz. Der Ausbau des Geschäfts mit Russland soll den Einbruch anderswo kompensieren: „In Spanien und England waren wir früher auf Fachmessen, die es heute wegen der Wirtschaftskrise gar nicht mehr gibt.“
Laut Industrie- und Handelskammer Potsdam haben gut 480 Brandenburger Unternehmen Geschäftskontakte nach Russland. Das Handelsvolumen stieg 2012 um 8,3 Prozent auf 7,8 Milliarden Euro. Die IHK Potsdam hat auch den Brandenburger Gemeinschaftsstand auf der Industrial Supply organisiert, auf der sich direkt neben Hosch die Ätztec GmbH aus Gransee (Oberhavel) präsentiert. Das 19 Mitarbeiter zählende Unternehmen fertigt Formätzteile in erster Linie für die Automobilindustrie. Ein Nischenmarkt mit einer Handvoll ähnlicher Anbieter in Deutschland. „Es kommen immer mehr Anfragen über das Internet. Aber eine Messe bleibt wichtig, denn die meisten Besucher können sich unter Ätztechnik wenig vorstellen und im direkten Kontakt ist es einfacher, Menschen zu überzeugen“, sagt Betriebsleiter Kurt Bartsch.
Auf einem Rundgang besuchte am Montag Brandenburgs Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (Linke) Ätztec. Kritische Töne hörte er von Ätztec-Geschäftsführer Julian Zender keine. „Die DSL-Anschlüsse in unserer Region sind zu langsam. Aber ich weiß nicht, ob der Wirtschaftsminister da etwas ausrichten könnte“, so Zender, der sonst optimistisch für 2013 ist und mit einem Plus von 20 Prozent beim Umsatz von zuletzt einer Million Euro rechnet.
Düster blickt dagegen Oliver Schwarz in die Zukunft und das ließ er auch Christoffers wissen. Schwarz ist Geschäftsführer der Vakuplastic Kunststoff GmbH & Co. KG aus Schönefeld (Dahme-Spreewald). Die Firma – 13 Beschäftigte, 800 000 Euro Umsatz – stellt Saugnäpfe aller Art her und will ihr Geschäft umstrukturieren, um weiter am Markt bestehen zu können „Dafür müssen wir 50 000 Euro investieren. Fördergelder gibt es, wenn man neue Arbeitsplätze schafft, aber nicht, wenn man bestehende erhält. Ich will nichts geschenkt, sondern zwei Jahre ohne Tilgung würden mir weiterhelfen. So wie jetzt können wir nicht auf Dauer existieren“, so Schwarz. Bei der IHK Cottbus bekam er die Auskunft, dass es solche Förderung nicht gibt. „Ich bin mir fast sicher, dass wir etwas für Sie tun können. Das schauen wir uns nochmal an“, verspricht Wirtschaftsminister Christoffers. Bei der Nordbahn gGmbH aus Schönfließ (Oberhavel) erfährt er von den neuesten Plänen der Werkstatt für behinderte Menschen. „Wir haben eine sehr gute Nachfrage und wollen uns vergrößern. In Schönfließ fehlen dafür die Flächen, deswegen wollen wir in Hennigsdorf eine neue Halle bauen, wo dann ab 2014 eine neue Integrationsfirma die Arbeit in der industriellen Montage aufnehmen soll. Dort arbeiten dann je zur Hälfte Menschen mit und ohne Handicap“, sagt Matthias Blümel, Leiter des Sondermaschinenbaus.
Die Bach Resistor Ceramics GmbH aus dem Werneuchener Ortsteil Seefeld (Barnim) fertigt keramische Heizelemente, die etwa bei Glühanzündern für Holzpelletsöfen oder Heizplatten für die Halbleiterindustrie zum Einsatz kommen. „Wir sind 2006 von Berlin nach Brandenburg gezogen, weil wir Platz brauchten. In Seefeld können wir expandieren und planen gerade die dritte Produktionshalle. Durch die gute ÖPNV-Anbindung können unsere Berliner Mitarbeiter gut zur Arbeit kommen und auch bei Neuanstellungen ist die Nähe zu Berlin ein Pluspunkt“, sagt Geschäftsführer Jan Paul Bach. Sorgen bereitet ihm der Nachwuchs: „Wir bilden aus, aber es wird immer schwieriger, geeignete Bewerber zu finden.“ 34 Beschäftigte erwirtschafteten 2012 einen Umsatz von 3,7 Millionen Euro, für dieses Jahr werden über vier Millionen Euro erwartet.

Quelle: www.die-mark-online.de

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