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Neue Projekte bei der Nordbahn gGmbH

Besuch von Ex-Gesundheitsministerin Ulla Schmidt und der SPD-Bundestagsabgeordneten Angelika Krüger-Leißner in der Behindertenwerkstatt in Schönfließ.

SCHÖNFLIESS Die gemeinnützige Nordbahn GmbH möchte einen kleinen Teil ihrer derzeit 400 gehandicapten Mitarbeiter in den ersten Arbeitsmarkt integrieren. Dazu wurde das Projekt „Stellwerk“ aus der Taufe gehoben, sagte Nordbahn-Geschäftsführerin Nicola Pantelias gestern bei einem Besuch von Ex-Gesundheitsministerin Ulla Schmidt und der SPD-Bundestagsabgeordneten Angelika Krüger-Leißner in der Behindertenwerkstatt in Schönfließ.

Mit einem Begleiter sollen Behinderte in Betriebe eingeführt werden. Dieses Praktikum dauert ein bis sechs Monate und schafft die für Behinderte extrem wichtige Vertrauensbasis. Vier Teilnehmer gebe es derzeit. Eine Frau habe bereits das Angebot, nach einer dreimonatigen Zusatzqualifikation eine reguläre Stelle als Alltagshelferin in einem Altersheim anzutreten, so Nicola Pantelias. Sie stellte außerdem die neue Tochterfirma Nordbahn InTec vor, mit der bis zu 21 neue Arbeitsplätze geschaffen werden, speziell für Schwerbehinderte.

Stolz auf die eigene Arbeit

Nordbahn GmbH stellt neue Tochterfirma vor / Beschäftigungsgesellschaft will Schwerbehinderte fördern

Vorstandsvorsitzender Bolko Prußok und Geschäftsführerin Uta Gerber der Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung e.V. Oberhavel Süd

SCHÖNFLIESS Die Arbeit macht ihnen Spaß und sie sind stolz auf das, was sie tun. Darauf werde auch Wert gelegt in der gemeinnützigen Nordbahn GmbH, sagt Bolko Prußok. Der Vorstandsvorsitzende des Vereins Lebenshilfe muss es wissen. Er hat selbst einen behinderten Sohn, der in der in der Schönfließer Werkstatt tätig ist. „Jeden Morgen bin ich hier und bringe ihn her“, sagt Prußok.

Besuch von Ex-Gesundheitsministerin Ulla Schmidt und der SPD-Bundestagsabgeordneten Angelika Krüger-Leißner in der Behindertenwerkstatt in Schönfließ.

Die beiden Frauen, die ihm gegenübersitzen, hören interessiert zu: Ulla Schmidt, Bundesgesundheitsministerin a. D., seit einem Jahr Bundesvorsitzende der Bundesvereinigung Lebenshilfe sowie die SPD-Bundestagsabgeordnete Angelika Krüger-Leißner. Erstere wollte die Nordbahn GmbH erst einmal kennenlernen. Zweitere kennt Haus, Konzept und sogar einzelne Bewohner. Aber sogar für sie hatte Geschäftsführerin Nicola Pantelias Neuigkeiten.
Eine Neuigkeit trägt den Namen „Nordbahn InTec GmbH“. Erklärtes Ziel dieser im Juni 2013 gegründeten gemeinnützigen Beschäftigungsgesellschaft ist es, Menschen mit einer Schwerbehinderung in Betriebe zu integrieren. Für Unternehmen, die Schwerbehinderte einstellen, gibt es zwar finanzielle Anreize. „Allerdings ist dieser Personenkreis immer noch in weitaus höherem Maße von Arbeitslosigkeit betroffen als Menschen ohne Schwerbehinderung“, sagt Nicola Pantelias. Deshalb mache es Sinn, im Interesse der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung Integrationsbetriebe zu gründen. Allerdings werde noch ein konkreter Betriebsstandort für die Tochtergesellschaft gesucht, deren Geschäftsfeld die Industriemontage ist. Das ist bereits ein Schwerpunkt für die Nordbahn gGmbH. Für namhafte Technikunternehmen werden Bauteile oder Baugruppen vorgefertigt. Für Collonil paarweise Sohlen verpackt.
Bei InTec GmbH sollen Menschen mit einer geistigen, psychischen, neurologischen, körperlichen sowie mehrfachen Schwerbehinderung eingestellt werden, zunächst zehn von ihnen. Insgesamt würden in den ersten fünf Jahren 21 Arbeitsplätze entstehen, kündigt die Geschäftsführerin an. Dabei liege der Belegschaftsanteil der Männer und Frauen mit Schwerbehinderung bei 40 bis 50 Prozent. Bewerbungen würden bereits entgegengenommen. Das Integrationsunternehmen werde vom Integrationsamt Brandenburg gefördert, ein Förderantrag wurde auch bei der „Aktion Mensch“ gestellt.

Die zweite Neuigkeit ist ein Projekt mit dem Namen „Stellwerk“, an dem seit zwei Jahren gearbeitet wird. Ziel ist es, ein bis zwei Prozent der derzeit 400 gehandicapten Mitarbeiter in den „normalen“ Arbeitsmarkt zu integrieren. Bei der Branche sei man nicht festgelegt. Mit jeweils einem Begleiter sollen Behinderte in Betriebe eingeführt werden. Dieses Praktikum dauert ein bis sechs Monate und schafft die für Behinderte extrem wichtige Vertrauensbasis. Vier Teilnehmer gebe es derzeit, berichtet Nicola Pantelias. Eine Frau habe bereits das Angebot, nach einer Zusatzqualifikation eine reguläre Stelle als Alltagshelferin in einem Altersheim anzutreten.
In diesem Zusammenhang richtete die Geschäftsführerin eine große „Bitte oder Forderung“ an die Politiker: Der Eingliederungszuschuss dürfe nicht nach drei Jahren eingestellt werden. Vielmehr sei ein langfristiger, individuell angepasster Leistungsminderungsausgleich erforderlich. „Wenn die Leistungsminderung 50 Prozent beträgt, dann muss auch der Ausgleich 50 Prozent betragen“, so die Nordbahn-Geschäftsführerin. Der Nachteilsausgleich, der auch für Werkstätten gilt, müsse auf die Arbeitgeber übergehen, forderte auch Ulla Schmidt: „Man muss vieles regeln, damit es für die Betroffenen nicht schädlich ist.“
Nach dem Rundgang durch die verschiedenen Abteilungen zeigte sich Bolko Prußok zufrieden. Ulla Schmidt hatte sich davon überzeugen können, wie gern die Behinderten ihrer Arbeit nachgehen. Und wie stolz sie auf das Geleistete sind.

http://www.nordbahn-ggmbh.de

Alle Rechte vorbehalten. © Märkische Verlags- und Druck-Gesellschaft mbH Potsdam
Erscheinungstag: 03.09.2013
Produkt: Neue Oranienburger Zeitung
Text: Helge Treichel
Foto: Bildarchiv der Nordbahn gGmbH

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