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Bei der Arbeit gut aufgehoben

Schönfließ (MZV) Die gemeinnützige Nordbahn-Gesellschaft versetzt behinderte Menschen in die Lage, ihre eigenen Fähigkeiten zu erkennen und umsetzen zu können. Dies sei ihr Eindruck, hat Ulla Schmidt, die Vorsitzende der Bundesvereinigung Lebenshilfe, am Montag in Schönfließ gesagt.

Frank Eiselt-Brockmann drückt Dichtungsgummis ins U-Profil eines Gehäuses. Karola Scharlibbe faltet einen Werbeflyer passgerecht für den Umschlag. Mike Pahl “füttert” ein Fließband mit Klemmen. Die drei sind in unterschiedlichen Abteilungen der Nordbahn gGmbH beschäftigt. Sie brauchen Fingerspitzengefühl und bei den kleinteiligen Arbeiten manchmal auch ein bisschen Geduld.

Überall geht es am Vormittag ruhig und konzentriert zu. Als die Besichtigungsgruppe mit Ulla Schmidt und Angelika Krüger-Leißner (beide SPD) mit Geschäftsführerin Nicola Pantelias und dem Kaufmännischen Leiter Thomas Eichmann vorbeikommt, schauen die Mitarbeiter interessiert auf. Angelika Krüger-Leißner kennen viele, weil sie regelmäßigen Kontakt hält. Ulla Schmidt ist als Bundesvorsitzende der Lebenshilfe noch recht neu und nimmt sich viel Zeit für den Rundgang in Schönfließ. Die Ruhe und das angenehme Arbeitsklima sind ihr aufgefallen, sagt sie später, zurück im Konferenzraum. Selbst da, wo Maschinen liefen, sei es noch erträglich.

Mit Bedacht sind die Räume der Abteilungen, wo dies möglich sei, nicht allzu groß, erläutert Nicola Pantelias. So gibt es zwischendurch auch Rückzugsmöglichkeiten. “Die Leute hier sind motiviert, weil in den Werkstätten auf sie eingegangen wird”, sagt Bolko Prußok. Der Vorsitzende der Lebenshilfe Oberhavel-Süd und Aufsichtsratsvorsitzende im Haus weiß das nicht nur von seinem Sohn, der in der Druckerei arbeitet, sondern aus der jahrzehntelangen Erfahrung mit den Frauen und Männern im Verein.

400 Menschen mit unterschiedlichen geistigen Behinderungen oder psychischen Beeinträchtigungen arbeiten bei der Nordbahn-Gesellschaft, dazu kommen 100 nicht behinderte Angestellte. Die Maschinen werden möglichst den Menschen angepasst. Die Auftragslage in den Nischen von Dienstleistungen bis Industriemontage, die sich das gemeinnützige Unternehmen geschaffen hat, ist so gut, dass im Juni die Integrationsfirma “Nordbahn InTec” ausgegründet wurde. Ein Produktionsstandort wird noch gesucht. Über den Zwischenbereich “Stellwerk” sollen Mitarbeiter in den ersten Arbeitsmarkt gebracht werden. Allerdings birgt das die Gefahr, dass sie damit auch den geschützten Raum verlassen und als Geringverdiener finanziell schlechter dastehen.

Ein Problem beschäftigt die Lebenshilfe zunehmend: Die behinderten Menschen werden älter, gehen in Rente, benötigen Pflege, werden krank – dement zum Beispiel, genau wie andere Menschen auch. “Wir wollen unsere Leute bei uns behalten”, sagt Prußok. In den Wohngemeinschaften der Lebenshilfe sind 76 Frauen und Männer zu Hause. 39 leben alleine im betreuten Wohnen – und dort sollten sie auch gepflegt werden können.

So sieht es auch Ulla Schmidt. Die Teilhabe an der Gesellschaft müsse als ein Menschenrecht geregelt werden, damit es keine Floskel bleibe. Dazu gehöre beispielsweise, Wohnheime für Behinderte so zu behandeln wie Wohnungen. So könnten Leistungen aus der Pflegeversicherung abgerufen werden. Die Menschen im Heim müssten dasselbe Recht auf Pflegeleistungen haben wie andere, die ihren Lebensabend ja auch möglichst selbstbestimmt zu Hause verbringen möchten.

Heike Weißapfel
© 2013 die-mark-online.de MZV Märkischer Zeitungsverlag GmbH & Co. KG
Red. Oranienburg, lokales@oranienburger-generalanzeiger.de

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Foto: Bildarchiv der Nordbahn gGmbH

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