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Achim Mentzel rockt die Nordbahn

Als er Freitagvormittag auf die Bühne ging, war das der Höhepunkt des Frühlingsfestes in der gemeinnützigen Nordbahn GmbH: Achim Mentzel. Zwischen der Stimmungskanone aus dem Osten und den Mitarbeitern der Schönfließer Behindertenwerkstatt sprang sofort der Funke über.

Schönfließ. Der Sänger traf nicht nur bei seinen Liedern den richtigen Ton, sondern auch im Zwiegespräch mit dem Publikum. Bei seinen Titeln schunkelten die Zuhörer mit, kleine Tanzgrüppchen formierten sich völlig ungeniert neben ihm auf der Bühne. Die größten Fans schlugen dem Schlagerbarden anerkennend auf die Schulter und ließen sich von ihm abklatschen. Ebenso erfolgreich: sein mitunter recht derber Humor. Jeder Song ein Hit, jeder Gag ein Treffer. Und das Zusammenspiel mit dem Berliner DJ Torsten Stern zündete ebenso. Dabei standen beide zum ersten Mal gemeinsam auf der Bühne.

Zu den Zuschauern gehörten die rund 400 gehandicapten Mitarbeiter sowie die rund 100 Werkstattangestellten und Betreuer. Nordbahn-Geschäftsführerin Nicola Pantelias hatte allen extra frei gegeben. „In diesem Jahr feiern wir etwas größer, weil alle so fleißig waren“, sagte sie. „Das ist unser Dank an die Mitarbeiter.“ 2013 sei nämlich ein gutes Jahr gewesen, die Geschäfte florieren. „Von der Wirtschaftskrise ist bei uns nicht viel zu spüren“, sagt die zierliche Geschäftsführerin, die an diesem Tag auch im wörtlichen Sinn den Hut aufhatte. Wie viele andere Sommerfestgäste trug sie passend zum Ferienflair einen Strohhut: „Wir wollen den Urlaub in die Nordbahn holen.“

Dazu waren extra Strandkörbe aufgestellt worden. Aber die wenigsten Sommerfestgäste hielt es auf den lauschigen Plätzen. Schließlich hatte eine Wahrsagerin ihr Zelt aufgeschlagen, trieben Clowns ihren Schabernack und verführte eine Cocktailbar mit farbenfrohen und eisgekühlten Verlockungen. Mit aufbrausenden Sambarhythmen sorgten die Frauentrommelgruppe Neide Alves Pilger und DJ Torsten für Stimmung.

Nachdem Achim Mentzel seine „zirka zwei Zentner“ Körpergewicht musikalisch gerechtfertigt („Meine Lieblingsworte heißen Sahnetorte“) und auf besonderen Wunsch den Refrain von „An der Nordseeküste“ improvisiert hatte, wurde der 67-Jährige romantisch. „Rot sind die Rosen“ habe er getextet, weil er seit 30 Jahren glücklich verheiratet sei. Einmal mehr wickelte der Sänger seine mitschunkelnden Zuhörer um den Finger. Warum ihm das heute so viel Spaß macht? „Weil dieses Publikum ein ganz besonders dankbares ist“, sagt Mentzel. „Das sieht man an den Gesichtern und den Augen.“ Vor den Nordbahn-Mitarbeitern sei er vor einigen Jahren schon einmal in Paaren im Glien aufgetreten. Der Sänger erinnert sich daran genauso wie Mitarbeiter Jens, der sich im Anschluss noch die aktuelle CD mit persönlicher Widmung kauft und eine Autogrammkarte dazu bekommt. Als auch die letzte Autogrammkarte verteilt ist, packt Achim Mentzel seinen Koffer und fährt zum nächsten Auftritt – die Eröffnung des Rosengartens in Forst: „Ich nehme jedes Publikum ernst.“

Quelle: MAZ, http://www.maz-online.de
Author: Helge Treichel

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