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Nordbahn mit neuem Standbein

Schönfließ (MZV) Die gemeinnützige Nordbahn Gesellschaft aus Schönfließ hat eine neue Berliner Betriebsstätte eröffnet. Die Werkstatt für behinderte Menschen erweitert auf diese Weise ihre Kapazität.

Bereits seit Mitte Mai laufen in einer Produktionshalle in einem Gewerbehof in Berlin-Wittenau die Maschinen der Nordbahn-Werkstatt. Am Freitag wurde der neue Firmenteil mit Mitarbeitern, Gesellschaftern und Kunden feierlich in Betrieb genommen.
Die Erweiterung sei der guten Auftragslage geschuldet. Der Betrieb habe in Hennigsdorf und anderen Orten im Kreis Oberhavel ein Jahr lang vergeblich nach einem passenden Standort gesucht, erklärt dazu Geschäftsführerin Nicola Pantelias. Der Wittenauer Gewerbehof sei nah und verkehrsgünstig gelegen. “Unser Ziel war es zunächst, eine Integrationsfirma zu gründen”, sagt Pantelias. Neue Integrationsfirmen würden inzwischen aber nicht mehr finanziell gefördert, und so sei die zweite Produktionsstrecke ein “Ableger” der Nordbahn, “aus dem hoffentlich eine schöne Pflanze” werde.
Neben anderen Beschäftigungsfeldern wie Grünlandpflege, Hauswirtschaft, Holzverarbeitung und Qualitätsprüfung hat die Nordbahn Gesellschaft Aufträge im Bereich Metallindustrie, vor allem für Zulieferfirmen von Kleinteilen. So werden unter anderem jährlich etwa 140 Millionen Bolzen für Möbel montiert und verpackt.
Die Schönfließer Werkstatt hat 115 Angestellte und 415 behinderte Mitarbeiter, die Grundsicherung erhalten und in Schönfließ über Werksverträge beschäftigt sind. Die bisherige Spät- und Nachtschicht mit nicht-behinderten Mitarbeitern ist nun ausgegliedert worden und nach Wittenau umgezogen. Zurzeit sind dort elf Mitarbeiter fest angestellt, davon zwei Schwerbehinderte. Zudem beschäftigt die Nordbahn Gesellschaft etwa 25 Leiharbeiter.


Jeder Bolzen muss passen

Gemeinnützige Nordbahn-Werkstatt eröffnet neue Werkshalle in Berlin

Schönfließ/Wittenau (MZV) Die gemeinnützige Schönfließer Nordbahn-Gesellschaft ist jetzt mit einem Teil der Belegschaft und ihrer Maschinen nach Berlin-Reinickendorf umgezogen.

In der hellen Werkshalle verschafft sich Lutz Bungert beim Rundgang gegen die laufenden Maschinen Gehör. Die Mitarbeiter sitzen an den Tischen und arbeiten konzentriert weiter,sehen höchstens einmal auf und lächeln den Gästen zu. Die schauen zu, wie in kurzen Abständen gestanzte Metallteile und mit Ummantelung versehene Bolzen in große Bottiche fallen. Lutz Bungert greift sich einen kleinen Kontaktzaun, bevor der auf eine Steckerleiste montiert wird. „Das sieht alles einfach aus“, sagt der Betriebsstättenleiter „Aber wir sind ein zertifiziertes Unternehmen und arbeiten entsprechend. Wir haben hohe Qualitätsansprüche.“ Genau wie Rico Marquardt, einer der Kunden der Nordbahn-Gesellschaft: „Es darf nicht so sein, dass der Bolzen am Ende nicht ins Möbelstück passt“, sagt der Geschäftsführer der Berliner Firma Häfele, die seit acht Jahren in Schönfließ und nun auch in Wittenau produzieren lässt. Matthias Blümel, Bereichsleiter für Industriemontage und Sondermaschinenbau, ist froh, dass die Produktion unter dem Umzug nicht gelitten hat. Einige Maschinen sind aus Schönfließ mit umgezogen, anderes wurde neu angeschafft. Die zunächst für fünf Jahre gemietete Halle musste auf die mit Druckluft arbeitenden Maschinen umgerüstet werden. „Es ist aber noch viel Platz im Raum, falls die Auftragslage weiter steigt“, sagt Lutz Bungert. In Berlin werden die Teile gefertigt, die die behinderten Mitarbeiter nicht bearbeiten können, sagt Bungert, der zuvor bei der Nordbahn Gesellschaft die Spätschicht geleitet hat. Der neue Standort sei ein rein wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb. Dass die bisherige Spät- und die Nachtschicht in Schönfließ jetzt räumlich von dort getrennt sind, hat auch zur Folge, dass der fliegende Wechsel zwischen den Schichten mit den behinderten Mitarbeitern aufhört und nicht jeder Arbeitsplatz täglich
wieder ab- und eingeräumt werden muss. Zudem kann auf den nächtlichen Busshuttle zur S-Bahn verzichtet werden.
„Ich bin hell begeistert, was hier draus geworden ist. Ich hoffe, dass die Mitarbeiter immer zufrieden sind“, sagt Bolko Prußok, Vorstand der Lebenshilfe Oberhavel-Süd für Menschen mit geistiger Behinderung. Zu den Reden der feierlichen Eröffnung schweigen die Maschinen. Zum raffinierten Mittagsmahl, das auch in den Nordbahn-Werkstätten gekocht und höchst einladend angerichtet wurde, finden
sich Gäste wie Mitarbeiter gemeinsam ein.

Von Heike Weißapfel

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